Rückblick Tag des offenen Denkmals 2018


Wir haben inzwischen zum dritten Mal am Tag des offenen Denkmals teilgenommen. Diese inzwischen 25 Jahre alte Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“.

Von 10 bis 16 Uhr haben wir interessierte Besucher empfangen. Ähnlich wie beim 3. Portalfest Ende August stand natürlich das im neuen Glanz strahlende spätromanische Portal im Mittelpunkt. Die Mitglieder des Förderkreises erläuterten die vom Steinrestaurator durchgeführten Arbeiten. An Hand der am Informationsstand ausliegenden Fotos wurde der Vorher-Nachher-Zustand augenscheinlich. Dies stieß auf reges Interesse.

Große und kleine Entdecker konnten den Glockenturm erklimmen, ganz vorsichtig eine der Glocken zum Klingen bringen, die Umgebung von oben bestaunen, mit dem Fernglas den Petersberg suchen, „Schatzkisten“ öffnen, Schrift auf dem Taufstein lesen, Altar und Kanzel erkunden und alte Inschriften (von ca. 1925) entziffern.



Nach der Turmbesteigung und Kirchenbesichtigung gab es Getränke und Kuchen.

Was bleibt am Ende des Tages? Für die Förderkreismitglieder das Resümee, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Rückblick Tag des offenen Denkmals 2017

Zum zweiten Mal hat der Förderkreis den Tag des offenen Denkmals ausgerichtet. In der Gemeinde Kabelsketal waren wir der einzige Teilnehmer. Das diesjährige Motto lautete „Macht und Pracht“ und trifft somit genau auf unsere Kirche und besonders auf das Portal zu. Das Stift Petersberg hat 1220 mit dem Portal gezeigt, zu wem St. Peter und Paul und St. Ursula gehört. Zum Thema Pracht zitieren wir gern den Dehio: Überraschend elegantes Portal“.

Unser Programm zum Tag des offenen Denkmals war nicht nur auf der zentralen Internetseite zu finden sondern auch im Amtsblatt, in den Schaukästen der Gemeinde und auf einigen exponiert angebrachten Plakaten. Selbst gebackener Kuchen (von Christina Huhn) und Getränke standen bereit.

Kurz nach 10 Uhr erscheinen die ersten Besucher: ein Vater mit seinem vierjährigen Sohn. Ihr Ziel waren die Glocken. Der Sohn brachte seine Profiausrüstung mit: Glockenhammer und Gehörschutz. Heribert Wille führte sie an der Orgel und dem Dachstuhl vorbei in den Glockenturm. Der Aufstieg in die Glockenstube mit den inzwischen zwei zum Klingen zu bringenden Glocken und dem Blick in die Ferne wurde von fast allen Besuchern unternommen.


Das Portal war dies Jahr eingerüstet. Die Restaurierungsarbeiten haben begonnen und der anwesende Restaurator Uwe Albrecht informierte über Details seiner Arbeit. Im Bild links zu sehen ist Vorbereitung für den an manchen Stellen notwendigen Materialaufbau. Die Bohrlöcher für die zu setzenden Dübel sind vorbereitet und verfestigt.
Wie schon im letzten Jahr sind einige Besucher extra aus Halle gekommen. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Genauso erfreut waren wir über Besucher „von nebenan“. Wir hörten öfters Formulierungen in Richtung „wir fahren hier täglich vorbei und wollten uns jetzt mal die Kirche von innen anschauen“.

Kirchenbuch II

Am Glockenstuhl sind Verkrustungen zu sehen. Auf den ersten Blick sehen sie entsprechend ihrer Farbe und Struktur aus wie Brandspuren. Es sind jedoch jahrhundertealte Reste vom Schmieren der beiden Glockenlager.

Uns ist heute der Begriff bzw. die Tätigkeit des „Klingelsäcklers“ nicht mehr geläufig, obwohl das damit beauftragte Gemeindemitglied 1685 sogar hinter Kirchenvätern und Bauherren auf dem Deckblatt des Kirchenrechnungsbuches benannt wurde (Siehe Beitrag vom 7. März 2017).

Ähnlich ist die Tätigkeit des „Glockenschmierers„. Der Schulmeister wurde offensichtlich auch noch für die Wartung der Glocken bezahlt. Er erhielt dafür 1685 einen Betrag von 18 Groschen. Wenn man davon ausgeht, dass die kursächsischen Münzordnung von 1558 noch Gültigkeit hatte, dann entsprechen 20 Groschen einem (Silber-)Gulden. Um 1700 entsprach in Sachsen 1 Gulden einer heutigen Kaufkraft von ca. 30 Euro.

 

Cap. 2

Ausgabe dem Pfarrhl, Schulmeister
und Kirchenvätern

Dem Pfarrhl auf Trinitatis
Eidem1)nämlich präsent
denen Kirchenvätern
zum Neuen Jahre Eidem
Glockenschmierer dem Schulmeister

Cap. 3

Ausgabe vor Wein zur Communion und
Wachskertzen

vor Wein
vor Hostien
vor Wachslichter

 

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1. nämlich

Glocken V

Im Beitrag vom 8. Januar 2017 wurde auch auf die Inschrift der 1942 konfiszierten 1,33 m Glocke eingegangen. Der Förderkreis dankt Herrn Günther und Herrn Richter für ihre Bemühungen. Auf der Glocke müsste in sprachlich und inhaltlich korrekter lateinischer Schreibweise gestanden haben

HANC CAMPANAM MDXXXIV DECEMBER MDCCLXV REFVDIT ET EFFORMAVIT F. A. BECKER HALENSIS

In der Übersetzung:
Diese Glocke von 1534 hat im Dezember 1765 F. A. Becker aus Halle umgegossen und gestaltet

Bei SchönermarkBeschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Delitzsch“ ist „CAMBANAM“ zu lesen, also die Schreibweise mit „B“. Er erwähnt ausdrücklich die in der halleschen Sprache oft vorkommende Verwechselung von hartem und weichem „P“ beziehungsweise „B“. Der Fehler dürfte also beim Glockengießer Friedrich August Becker gelegen haben.

Ferner ist in der ersten Jahreszahl „DXXXIV“ die beginnende Ziffer „M“ unterschlagen. Aus 1534 ist somit bei Schönermark 534 geworden. Hierbei könnte der Fehler im Manuskript von Schönermark zu suchen sein aber auch beim Glockengießer. Gleiches trifft auf das bei Schönermark nicht vorhandene zweite „E“ zu.

Eine der wenigen noch existierenden Glocken von Friedrich August Becker ist seine 1749 gegossene Glocke in der Kirchengemeinde Osmünde1)siehe auch Wikipediaeintrag. Sie befindet sich nach dem Einsturz des Kirchturms in einen separaten Glockenstuhl auf dem Friedhof.

Dem Thema Inschriften widmet sich das von verschiedenen Akademien der Wissenschaften getragene Projekt „Deutsche Inschriften Online„. Die Inschriften der Stadt Halle hat Franz Jäger im Band 85 der Reihe „Die Deutschen Inschriften“ im Reichert-Verlag  veröffentlicht. Teile daraus sind online verfügbar einschließlich 354 Abbildungen. Auch wenn einer der Schwerpunkte der Stadtgottesacker ist (als eine der bedeutendsten Camposanto-Anlagen nördlich der Alpen), so sind auch diverse Glocken beschrieben, z.B. aus der Marktkirche. Ausgelassene oder unsichere Schriftzeichen sind also durchaus nicht unüblich.

Einen unmittelbaren Bezug zu unserer Glocke haben die Ausführungen von Jäger zu Verlusten

Die Verluste entstanden weniger durch die erzwungenen Glockenablieferungen während der Weltkriege als durch Umgießen vom 17. bis zum frühen 20. Jh.2)http://www.inschriften.net/halle-an-der-saale/einleitung/5-inschriften-und-inschriftentraeger.html unter 5.3.4. Inschriften auf Glocken

Der Glockengießer Friedrich August Becker wird übrigens nicht namentlich erwähnt.

 

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Glocken IV – Naundorf

Im Turm der Kirche St. Peter und Paul und St. Ursula in Naundorf befindet sich ein Glockenstuhl zur Aufnahme von drei Glocken.

Zurzeit sind zwei Glocken vorhanden:

–  Glocke mit 0,60 m Durchmesser

–  Glocke mit 0,49 m Durchmesser

Beide Glocken konnten viele Jahre nicht geläutet werden. Der Förderkreis Portal unter der Leitung des 1. Sprechers, Herr Voß, veranlasste eine Besichtigung der Glocken durch einen Sachverständigen. Dieser schätzte ein, dass mit überschaubaren Mitteln das Geläut der größeren Glocke wieder hergestellt werden könnte. Als Zielstellung dafür wurde angestrebt, dies bis zur Christvesper (mit Krippenspiel) am Heiligabend 2016 zu erreichen. Dies gelang dank der Handwerker der Firma Christian Beck, Glocken und Turmuhren, aus Kölleda.

Die Glocke mit 0,49 m Durchmesser befindet sich an einem Glockenjoch, das offenbar ursprünglich eine andere Glocke trug. Das Geläut dieser Glocke wieder herzustellen bedarf umfangreicherer Arbeiten. Darüber ist zu einem späteren Zeitpunkt zu befinden.

Zur Belegung des Glockenstuhls und zum „Schicksal“ der Glocken konnte Folgendes ermittelt werden:

Gemäß der „Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Delitzsch1)in drei Bibliotheken der Stadt Halle verfügbar von Gustav Schönermark aus dem Jahre 1892 befanden sich zu diesem Zeitpunkt folgende Glocken im Turm der Naundorfer Kirche (wörtlich zitiert):


Die Glocke mit 0,92 m Durchmesser hat eine gefällige Form; ihren Hals umziehen vier Schnüre ohne Inschrift. Sie gehört muthmasslich in den Anfang des 13. Jahrhunderts, wird also mit dem Kirchenbaue gleichzeitig sein. Eine zweite Glocke misst 0,60 m im Durchmesser und hat oben vier Riemen, aber keine Inschrift; auch sie wird in dieselbe Zeit gehören.

Die dritte Glocke mit einem Durchmesser von 1,33 m hat diese Inschriften:

SO OFFT ICH WERDE KLINGEN, SO OFFT KOMM MAN ZV SINGEN ZV BETEN UND ZV HOEREN WAS GOTTES WORT WIRD LEHREN, WER GLAVBT VND FOLGT DEM WORT WIRD SEELIG HIER VND DORT.

Ein Teil der übrigen Inschrift weist auf den vermutlichen Glockengießer hin:

HANC CAMBANAM2)Die Verwechslung von b und p darf nicht verwundern in einer Gegend, in welcher noch heute von einem harten und weichen b bez. p gesprochen wird.
Anmerkung: diese Fußnote steht so im Original von Schönermark; das „heute“ bezieht sich also auf 1892
DXXXIV DECEMBR MDCCCLXV REFVDIT ET EFFORMAVIT F. A. BECKER  HALENSIS3)Dies Glocke 534 hat im Dezember 1865 (zurück-)gegossen und geformt F. A. Becker Halensi.
Das lateinische Wort fudere heißt übersetzt gießen, refudere zurückgießen, was so hier nicht richtig passt. Man könnte es vielleicht auch neu gießen oder erneut gießen deuten, dann wäre eine alte Glocke eingeschmolzen und daraus eine neue gegossen worden. Ganz unlogisch ist das nicht, da auf dem Lutherwappen die Zahl 1765 stand

Auch ein Wappen mit einer Luthermedaille als Bekrönung ist als Schmuck an der Glocke angebracht; unter diesem Wappen steht 1765, über demselben ist ein erhabener Crucifixus.

Zum Schicksal der letztgenannten Glocke konnte folgendes ermittelt werden: Sie hat den ersten Weltkrieg überstanden, den zweiten nicht mehr. Im Jahre 1942 wurde diese Glocke als  „Metallspende des deutschen Volkes“ für den „Endsieg“ über ein Fenster (Schallarkade) auf der Westseite des Turms heraustransportiert. Beim Herablassen auf den Erdboden stürzte sie ab und zersprang in mehrere Teile. Sie konnte gewissermaßen für das Einschmelzen vorbereitet abtransportiert werden.

Zum Schicksal der Glocke mit 0,92 m Durchmesser ist nur bekannt, dass sie 1942/43 nicht mehr im Glockenstuhl vorhanden war. Zu diesem Zeitpunkt befand sich nur die Glocke mit 0,60 m Durchmesser im Turm, sodass anzunehmen ist, dass sie bereits im ersten Weltkrieg ihr Ende im Schmelzofen fand und an diesem Glockenjoch die jetzt vorhandene kleinere Glocke mit 0,49 m Durchmesser befestigt wurde. Sowohl über die Herkunft als auch über den Zeitpunkt der Montage dieser kleinen Glocke konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden.

Die Weihnachten 2016 wieder “in Betrieb“ genommene Glocke mit 0,60 m Durchmesser hat offenbar alle Widrigkeiten der Zeiten überstanden, obwohl auch sie schon auf einer Abrufliste4)laut Auskunft Heribert Wille des zweiten Weltkriegs stand!

Die „Lebenswege“ unserer Glocken in Naundorf und Kleinkugel sollten uns Mahnung und Verpflichtung bleiben, denn auf unserer kleinen Glocke unbekannter Herkunft steht:

* Maria hilf u(n)s * Not laß aus *

Es ist anzunehmen, dass  diese Glocke um 1500 gegossen wurde5)laut Auskunft Glockenbaufirma Christian Beck .

Die Informationen über das Ende der großen Glocke mit 1,33 m Durchmesser im Turm zu Naundorf sind von Herrn Heribert Wille, der Augenzeuge des Absturzes im Jahr 1942 war und unsere erhaltene Glocke von 0,60 m Durchmesser sowohl im Jahre 1943 als auch Weihnachten 2016 geläutet hat. Ferner danken wir Herrn Peter Dörheit für seine Recherchen.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, daß es in Naundorf zu unterschiedlichen Zeiten wahrscheinlich insgesamt 4 Glocken gab. Anfang des letzten Jahrhunderts waren es die Glocken mit 0,60, 0,92 und 1,33 m Durchmesser. Die letzten beiden Glocken fielen Einschmelzaktionen der beiden Weltkriege zum Opfer. Die 0,49 m Glocke kam später hinzu. Dies könnte im Rahmen der Rückführung von Kirchenglocken geschehen sein. Dazu müßte im Kirchlichen Archivzentrum Berlin recherchiert werden.

Anmerkung: eine korrigierte Fassung der Glockeninschrift finden Sie hier.

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1. in drei Bibliotheken der Stadt Halle verfügbar
2. Die Verwechslung von b und p darf nicht verwundern in einer Gegend, in welcher noch heute von einem harten und weichen b bez. p gesprochen wird.
Anmerkung: diese Fußnote steht so im Original von Schönermark; das „heute“ bezieht sich also auf 1892
3. Dies Glocke 534 hat im Dezember 1865 (zurück-)gegossen und geformt F. A. Becker Halensi.
Das lateinische Wort fudere heißt übersetzt gießen, refudere zurückgießen, was so hier nicht richtig passt. Man könnte es vielleicht auch neu gießen oder erneut gießen deuten, dann wäre eine alte Glocke eingeschmolzen und daraus eine neue gegossen worden. Ganz unlogisch ist das nicht, da auf dem Lutherwappen die Zahl 1765 stand
4. laut Auskunft Heribert Wille
5. laut Auskunft Glockenbaufirma Christian Beck

Glocken III

Am Heiligen Abend fand wie jedes Jahr in der Kirche Naundorf der Gottesdienst mit Krippenspiel statt. Vorher hat zum ersten Mal die instandgesetzte Glocke geläutet. Dazu hier demnächst mehr.

Bei der Recherche zu Glocken (sowohl Kleinkugel als auch Naundorf) stößt man auf „Das Buch von deutschen Glocken“ von Paul Sartori aus dem Jahr 1932. Es ist u.a. in Leipzig verfügbar, aber auch an zwei Standorten in Halle.

Ein digitalisiertes Exemplar hält die „Digitale Bibliothek der Universität Wrocław“ bereit. Der komplette Inhalt ist einsehbar. Das Inhaltsverzeichnis listet diverse Orte in Sachsen als Teil von Preußen auf, so auch Merseburg und Gutenberg, jedoch nicht Kleinkugel, Naundorf oder deren unmittelbare Umgebung.

Zur Intention seines Buches schreibt Sartori in der Vorbemerkung:

Als im Mai 1917 ein Heer deutscher Glocken die luftigen Sitze und den heiligen Dienst verlassen und ins Feld ziehen mußte, da konnte es als eine schuldige Ehrung für die Scheidenden betrachtet werden, daß eine Vielzahl volkskundlicher Vereine und der Verband selbst einen Ruf ins Land gehen ließen zur Sammlung und Aufzeichnung alles dessen, was sich an Bräuchen und Sagen, Volksglauben und sprachlichen Bezeichnungen an die Glocken anknüpft.

Glocken II

Herr Dörrheit aus Osmünde fragte beim Förderkreis nach der Existenz einer Glocke in Kleinkugel an, die bei der Erfassung von Glocken zur Einschmelzung für Kriegszwecke laut Unterlagen des Saalkreises im Jahre 1917 in Verbindung mit einem Betsaal existiert haben soll. Hierzu konnte folgendes ermittelt werden:

Der Ortsteil Kleinkugel gehörte bis 1950 als zum damaligen Saalkreis gehörende Gemeinde zum Kirchspiel Dieskau. Im Jahre 1906 wurde in Kleinkugel das jetzt noch existierende Schulgebäude (heute Wohnhaus) errichtet. Der Südgiebel dieses Schulgebäudes erhielt auskragend eine überdachte Konstruktion mit einer Glocke. Dadurch wurde ermöglicht, dass die Bürger nicht mehr zum Gottesdienst nach Dieskau laufen oder fahren mussten, denn nun erfolgten diese Veranstaltungen sonntags und feiertags in der Schule, also an Tagen, an denen kein Schulunterricht stattfand. Ein Unterrichtsraum hatte also gleichzeitig die Funktion eines Betsaales.

Diese Glocke überlebte den ersten Weltkrieg, wurde jedoch 1942 oder 1943 für den „Endsieg“ abgenommen, besser wohl herabgestürzt, denn unten angekommen steckte sie fast vollständig im Erdboden des neben dem Schulgebäude befindlichen Gartens. Erst mit Hilfe von Ochsen des benachbarten Bauern Höschel konnte sie herausgezogen und bis zum Kleinkugler Dorfplatz geschleppt werden, von wo aus ihr weiterer Abtransport erfolgte. Das „Leben“ dieser Glocke endete mit größter Wahrscheinlichkeit im Schmelzofen. Sie hatte den ersten Weltkrieg überlebt, den zweiten nicht mehr! Die Konstruktion zur Aufhängung wurde nach dem Abnehmen der Glocke entfernt.

Diese Informationen ergaben sich bei einem Gespräch mit Herrn Herbert Worg am 21. Dezember 2016.

Anmerkung: leicht überarbeitete Fassung vom Januar 2017.

Glocken I

Der Förderkreis beschäftigt sich primär mit der Konservierung des spätromanischen Portals. Dies allein ist schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir haben aber nie den größeren Zusammenhang aus den Augen verloren: die Kirche St. Peter und Paul und St. Ursula. Sie bietet beispielsweise den Raum für die Wäldnerorgel und Zuhörer im Rahmen unseres Portalfestes.

Zum Tag des Offenen Denkmals 2016 sind Mitglieder des Förderkreises im Turm bis ins Glockengeschoss geklettert. Jetzt gibt es auch auf unseren Internetseiten einen eigenen Menüpunkt „Glocken“ , der sich bald mit mehr Informationen füllen wird, zumal es auch eine diesbezügliche Anfrage aus der Nachbargemeinde Osmünde gab.

 

Zielstellung für Konservierung 2016

Ende Oktober fand ein weiteres Treffen des Förderkreises statt. Themen waren sowohl aktuelle Spendeneingänge bzw. Förderbescheide und -anträge als auch die denkmalpflegerische Zielstellung für die Konservierung.

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Dazu berichtete Herr Voß  von einem Treffen mit der Gebietsreferentin und dem für Steinkonservierung zuständigen Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, dem Steinrestaurator und Mitgliedern des Förderkreises Ende August 2016. Die vom Steinrestaurator durchgeführten Untersuchungen zu den Schäden am Portal wurden im Detail vorgestellt und Beseitigungsmöglichkeiten diskutiert. Weitere Schritte hinsichtlich Salzbelastung, Absanden, Krusten, Oberflächenreinigung und Türhaken wurden festgelegt.

zielstellung-konservierung2Besonderes Augenmerk gilt den Steinergänzungen. Der äußere Rahmen, d.h. die das eigentliche Portal umgebenden Flächen bis hin zu den Viertelrundstäben erhalten schrittweise Ergänzungen mit einem Steinmörtelersatz auf Kalkbasis. Wie an den Arbeitsproben im Bild zu sehen ist werden somit der außere Wulst und auch die Fehlstellen in der Fläche wieder hergestellt.

Zur Herstellung des Portals selber wurden noch keine Entscheidungen getroffen.

Ergänzend zum spätromanischen Portal gibt es Bestrebungen, die Glocken wieder läuten zu lassen. Ein erstes Treffen mit Ortsbegehung fand dazu statt.

 

Rückblick Tag des offenen Denkmals

Am letzten Sonntag beteiligten sich im Saalekreis 45 Institutionen am Tag des offenen Denkmals. Die Kirche Naundorf mit ihrem romanischen Portal war zum ersten Mal mit dabei. Mitglieder des Förderkreises waren mit Informationen, Bildern und Literatur vor dem Portal.

Mehrere der Besucher kamen mit dem Fahrrad. Wir waren offensichtlich eine Station in ihrer größeren Runde zu Kirchen im halleschen Umland. Für alle Besucher hatten wir Mineralwasser, Saft und selbstgebackenen Kuchen bereitgestellt.

Im Bild unten sind unserer Glocken zu sehen. Der Turm war jedoch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Schmutz und Sicherheitsbedenken sprechen zur Zeit noch dagegen. Als eines der Ergebnisse des Tages wissen wir jetzt aber mehr über den Verbleib der dritten Glocke, die im 2. Weltkrieg ausgebaut wurde. Das Bild oben hat nicht den erhofften Blick zum Petersberg eröffnet. Auf gleicher Höhe mit Baumkronen zu stehen ist aber auch schön…

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Die ca. 20 bis 25 Interessenten haben uns gefreut und bestärken uns darin, im nächsten Jahr das Portal wieder weit zu öffnen.